Brannte nicht unser Herz, als er mit uns redete?
Liebe Leserin, lieber Leser,
liebe Gemeinde,
der Monatsspruch für den April dieses Jahres bewegt mich.
Das Herz brennt. Was passiert, wenn das Herz brennt? Ein brennendes Herz ist ein Synonym für Leidenschaft.
Zwei Männer gehen völlig unsicher und verwirrt los, weg aus Jerusalem, wo Jesus, ihr Hoffnungsträger, drei Tage vorher gekreuzigt worden war. Jerusalem war für die Freunde Jesu zu einem gefährlichen Pflaster geworden. Alle Evangelisten erzählen von völlig verängstigten Jüngern, die sich einschließen, sich unsichtbar machen. Und diese beiden sind vielleicht sogar auf der Flucht. Sie sind enttäuscht.
Sie meinen, die Hoffnung auf den falschen Mann gesetzt zu haben. Daran ändert auch der Bericht der Frauen vom leeren Grab nichts.
Und kennen wir das nicht auch? Grenzenlose Enttäuschung, wenn unsere Hoffnungen sich in Rauch auflösen? Ich bin zum Beispiel enttäuscht, weil sich unsere Pläne für den Bau einer lebendigen Hohenschönhauser Gemeinde, kaum dass wir beginnen sie umzusetzen, als so schwierig gestalten. Vieles von dem, was sich ereignet bei uns, entspricht nicht meinen Vorstellungen.
Ich bin enttäuscht, dass die Kirche ihrem Sparmodus immer weiter erste Priorität einräumt, sich gleichzeitig aber sperrt, kirchliche Strukturen zu überdenken. Ich bin enttäuscht und ratlos, weil ich keine Vorstellung davon habe, wie es für unsere Kirche, unsere Gemeinde unter diesen Umständen eine zukunftsorientierte Entwicklung geben kann. Ich habe das Bedürfnis, es den Emmausjüngern gleich zu tun und meiner Wege zu gehen. Wehmütig zurückzuschauen und abzuhaken, was gewesen ist.
Auf dem Weg nach Emmaus läuft die Sache anders! Jesus gesellt sich zu den beiden Männern. Eine Kraft sorgt zunächst dafür, dass sie ihn nicht erkennen. Trauer, Enttäuschung, Depression hindern sie daran und hindern auch uns heute daran wahrzunehmen, dass Christus mit uns unterwegs ist.
Jesus geht mit ihnen, obwohl sie in der falschen Richtung unterwegs sind. Er redet mit ihnen, legt ihnen die Schrift aus, erklärt ihnen, dass alles, was geschehen ist, zum Plan Gottes mit den Menschen gehört. Und ihre Herzen brennen plötzlich wieder. Jesus gibt ihnen ihre Leidenschaft zurück, sich für die Sache Gottes zu engagieren. Die Hoffnung ist wieder da!
Jetzt können sie Ihn im Abendmahl erkennen. Als er plötzlich wieder verschwunden ist, bleibt die Hoffnung! Die Hoffnung, dass Gott weiter mit ihnen unterwegs ist.
Sie machen kehrt, wandern wieder in die Höhle des Löwen zurück, nach Jerusalem.
Nichts ist vergeblich gewesen. Gottes Liebe unter den Menschen sichtbar zu machen, das ist jetzt ihre Aufgabe.
Und ich? Brennt mein Herz wie das der Emmausjünger? Brennt es für eben diese Aufgabe? Kann ich glauben, dass der auferstandene Jesus auch heute mit mir, mit uns unterwegs ist? Dass er dabeibleibt, auch wenn wir auf krummen Wegen unterwegs sind? Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!
Ich bin froh, dass es Menschen gibt, mit denen ich über die Heilige Schrift nachdenken kann. Ich bin froh, dass es diese Möglichkeit in unserer Gemeinde an unterschiedlichen Orten gibt. Das Nachdenken über die Texte der Bibel bringt unsere Herzen zum Brennen.
Ich bin froh, dass wir für- und miteinander beten. Ich bin froh, dass wir miteinander das Abendmahl regelmäßig feiern.
So können wir Jesus begegnen. Er ist immer dabei! „Weicht ihr Trauergeister!“ Jesus ist auch mit uns unterwegs. Die Hoffnung, dass unsere Arbeit nicht umsonst ist, darf bestehen bleiben, solange unsere Herzen brennen für Jesus, für seinen Weg der Liebe!
Und so möchte ich einstimmen in den Ostergruß: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!
Eva-Maria Hollerung