Die Evangelische Kirchengemeinde
Berlin Hohenschönhausen/Nord
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Auf ein Wort.

Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung. Ph. 1,9

Liebe Gemeinde,

unter dem Dach unserer Kirche versammelt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Menschen, zu denen wir uns als JG dazu zählen dürfen. Als Teil dieser Gemeinschaft lernen wir in jedem neuen Zusammentreffen etwas für unsere kleine Gruppe dazu. Vor allem aber auch etwas für unser ganz eigenes Leben. Mit unseren ganz eigenen Erfahrungshorizonten bieten wir jeweils ein ganz eigenes Potenzial für allerlei Konflikte. So schön es auch ist sich in der Kirche miteinander zu treffen, diverse Veranstaltungen zu organisieren und dabei sich selbst und den anderen in verschiedenen Situationen kennenzulernen, so sehr laufen wir auch immer wieder in Gefahr, uns gegenseitig die Geduldsfäden zu strapazieren. Jeder kann seine eigenen Anekdoten aus dem Erlebten erzählen und sich selbst an dieser Stelle seinen Teil denken, weswegen wir uns als JG aber auch gefragt haben, warum es nicht die guten Erfahrungen und Erkenntnisse sind, an denen die Liebe wachsen soll. Die Richtung ist nicht vorgegeben, sondern weist lediglich auf eine ungewisse Zukunft, der sie begegnen soll.

Es fehlt also die Orientierung, die Bewertung und generell bleibt so vieles unklar, wenn die Erkenntnis und die Erfahrung für sich allein stehen. Die Frage nach der Richtung der Liebe drängt sich auf und pocht immer wieder: Wohin geht es denn nun? Wenn wir alle unser Päckchen zu tragen haben, dann ist das Maß doch ab einer gewissen Zeit voll, dann ist die Geduld an einem gewissen Punkt am Ende, die Nerven sind bis zum Bersten gespannt und dann ist das Paulus also noch nicht genug. Wir lernen doch gerade im Gemeindeleben, wie sehr unsere Nächstenliebe zu leiden hat und dabei ist nicht nur die Rede vom Streit, sondern auch vom Alltag, der alles in ein langweiliges Grau hüllt und anstelle der Begeisterung schiere Langeweile zurück lässt. Genau aber dafür wird gebetet und dafür steht das Gemeindeleben.

Das tut manchmal weh und zwar sehr weh, wenn die Meinung des Gegenüber überhaupt nicht der eigenen entspricht, wenn das Verhalten einer Einzelperson oder einer ganzen Gruppe nicht mehr hinnehmbar erscheint und wenn sich der Groll schon aufbaut, wenn man den- oder diejenige sieht, bis man selbst merkt, dass man gar nicht mehr nach den Regeln der guten Sitte spielt. Das ist erschreckend, da es selbst den Spiegel auf einen wirft, der einem zeigt, wie verstockt man ist und zeigt, wo Handlungsbedarf besteht. Wir sind eben durch die Begegnung mit dem anderen dazu gezwungen, uns auf den- oder diejenige einzulassen und über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Was wir mit dem augenscheinlichen Laster gewinnen, ist auch in schwierigen Entscheidungsprozessen ein Verständnis für den anderen und eine ganz neue Art, die Dinge zu betrachten, und genau daran wächst unsere Nächstenliebe auch im Konflikt und im Alltag. Die Marotten des einen und die verqueren Ansichten des anderen oder auch das vielleicht schrille Aussehen, das einen stört, sind Dinge, die einen auf den ersten Blick stören und abstoßen. Sofern wir uns aber ineinander hinein versetzen können, uns auf Augenhöhe begegnen und unser Miteinander in gegenseitiger Achtung gestalten, wachsen wir als Gemeinde auch in schwierigen Situationen.
Wenn wir als JG auch konkret ein schwieriger Teil der Gemeinde sein können, heißt es nicht minder, dass wir froh sind uns dazu zählen zu dürfen. Mag es auch manches Zähne knirschen geben, so wissen wir doch, dass wir darauf hoffen können, uns in unseren Freiräumen ungezwungen bewegen zu können und in jeder neuen Begegnung etwas für unser eigenes Leben lernen zu dürfen. Denn letztlich ist jede erneute Begegnung in gegenseitiger Wertschätzung etwas, woran wir als Gemeinde nur stärker werden können.

Mit besten Wünschen
Ihre und eure JG
(*Anmerkung der Redaktion: Diese schöne Andacht hat unsere JG alleine verfasst. Vielen Dank dafür!)