Die Evangelische Kirchengemeinde
Berlin Hohenschönhausen/Nord
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Auf ein Wort.

Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan.
Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.
Martin Luther

Liebe Gemeinde, wie frei ist der Mensch wirklich? Wie frei ist der Mensch, der in bestimmte soziale Bedingungen hinein geboren wird, in eine spezielle Kultur, mit einer festgelegten Nationalität? Sind Möglichkeiten und Grenzen dem Menschen aufgrund sozialer, familiärer, gesellschaftlicher Faktoren sozusagen schon in die Wiege gelegt?
Oder stimmt das, was sie in den USA glauben, dass nämlich jeder es „vom Tellerwäscher zum Millionär“ schaffen kann? Auch Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ legen ja nahe, dass alle das Zeug dazu haben, berühmt und reich zu werden.
Was ist richtig? Wie viel Freiheit haben wir, unser Leben zu bestimmen? Wie viel hängt von unserem Willen ab und wie viel von all dem, was uns von außen bestimmt ist? Wie stark sind wir also beherrscht von Zwängen, und gibt es einen Weg aus der Beherrschung der Zwänge heraus?

Diese Frage hat die Menschen auch in vergangenen Zeiten schon beschäftigt, wie z.B. Martin Luther, und er kam in seinem Nachdenken über die Freiheit zu dem Schluss, dass Freiheit zuerst einmal etwas ist, was Gott schenkt, denn ein Christenmensch hat zuletzt und überhaupt nur einen einzigen Herrscher über sich, und das ist Gott, der dem Menschen Freiheit schenkt durch das Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi. Alle menschliche Herrschaft ist vorläufig und deswegen britchig, Gott aber ist ewig, und die, die zu ihm gehören, sind in diese Ewigkeit schon mit hinein genommen. Christenmenschen sind erlöst, weil sie darauf vertrauen, dass das, was sie bedrohen, unterdrücken und ängstigen will, keinen Bestand haben kann und schon am Zerfallen ist, auch wenn man es noch nicht sehen kann.
Christenmenschen sind also nicht frei, weil es keine Herrschaft gibt, die über sie Macht ausübt, sondern sie sind frei, weil Gott ihnen aus der Angst heraus hilft.
Andererseits sind Christenmenschen keineswegs ganz frei * denn sie folgen Jesus Christus nach, und er ist einen Weg gegangen, der ein Weg des Dienens war, ein Weg, bei dem er gerade nicht nach Herrschaft strebte, sondern danach fragte, wem und wie er helfen, begleiten, heilen und unterstützen könnte. Jesus Christus strebte nicht nach Macht oder Geld, Ansehen oder Ehre, sondern danach, wie man in dieser Welt nach Gottes Willen als wahrer, also guter Mensch, leben kann.
Der Weg Christi ist kein Weg, auf den Gott den Menschen zwingt, sondern es ist ein Weg, den Menschen in der Nachfolge Jesu freiwillig gehen sollen, weil sie Gottes Liebe erkennen und sie weitergeben wollen. Wer Christus nachfolgt, der dient anderen, jedoch nicht aus Zwang, sondern in der Freiheit der Kinder Gottes. Deswegen sind Christenmenschen frei und unfrei zugleich  -  frei durch Gott, der ihr einziger Herrscher ist, und unfrei aus eigener Wahl und Überzeugung, weil sie Christus nachfolgen und sich in seinen Dienst stellen lassen.
An eines möchte ich noch erinnern: Martin Luther war ein Kind seiner Zeit, daher konnte er sich nicht vorstellen, dass z.B. der politische Widerstand gegen ungerechte Herrschaft ein Dienst an Gott sein kann. Das hat Folgen gehabt, die sich z.B. im Nationalsozialismus zeigten, wo leider nur wenige Evangelische aktiv Widerstand leisteten. Heute sehen wir das  -  und manches Andere auch  -  anders als Luther, ohne dass wir deswegen seine Erkenntnisse und seine Lehre vergessen müssen.

Nana Dorn