Das Thema

EHRENAMT

Da wo Amt und Ehre sich treffen ....


Sitzen 2 Freunde nachdenklich auf der Bank im Park, sagt der eine zum anderen: "Sag mal, wie nennt man das nochmal, wo man so viel arbeiten muss und nix dafür bezahlt bekommt und auch sonst nix davon hat...?". Sagt der andere: "Ach, du meinst Ehrenamt". Sagt der erste: "Nee, jetzt ist es mir eingefallen, ich meine Aus­beutung!"

Was unterscheidet eigentlich Ehrenamt von Ausbeutung? Oder anders gefragt, was macht denn Ehrenamt zum Ehrenamt und wozu ist es heute wichtig? Und was müssen wir als Gemeinde beachten im Umgang mit Ehrenamt, damit es in unserer Gemeinde wachsen kann?

Ich habe den Eindruck, dass Ehrenamt oftmals falsch verstanden wird, nämlich als "umsonst arbeiten". Mein Verständnis ist hingegen ein ganz anderes. Ehrenamt ist eben nicht umsonst, aber meist unentgeltlich. Umsonst nicht, da es eine „win-win-Situation“ ergibt, d.h., alle Beteiligten und manchmal auch Unbeteiligte müssen einen Gewinn erle­ben - ein Gewinn, der eben nicht an das Geld, den Mammon, geknüpft ist. (Übrigens finde ich diesen Gewinn auch nicht falsch, er ist Teil unse­res Lebens und wir müssen alle unsere Miete, Lebensmittel etc. bezahlen. Beim Ehrenamt gibt es aber einen anderen Gewinn, anderes Gewinn-Erleben, und das ist m. E. nach von hoher Wichtigkeit, wenn wir Ehrenamt auf Dauer installieren und ausbauen wollen.)

Der Gewinn für den, der ehrenamtlich tätig ist, ist zum Beispiel der, dass er etwas als sinnvoll Erlebtes tut und dadurch selber für sich Sinn erfährt. Deshalb ist es auch so wichtig, immer wieder den Sinn des Engagements zu verdeutlichen: Wozu tue ich das überhaupt? Diese Frage braucht Raum und Platz.
Der andere Teil des Gewinns für einen selber kann auch der sein, dass jemand Anderes mir etwas zutraut, mich beauftragt, und ich außerdem in einen Gemein­schaftskontext - bei uns die Gemeinde - mit meinen ganz besonderen Kompeten­zen, Stärken und Gaben eingebunden bin.
Und die dritte Ebene des Gewinns für den Ehrenamtlichen sollte unbedingt das Feedback und die wertschätzende Grundhaltung sein für das, was er tut. Damit meine ich nicht, wir müssen uns Honig ums Maul schmieren, aber Ehrenamt braucht Rückmeldung zur Auswirkung des Tuns.
Und dann gibt es ja noch den, für den ich ehrenamtlich etwas tue. Das Tun sollte von dem Empfänger ebenso als sinnvoll erlebt werden und das wäre die zweite Ebene des „Win-Win“. Von daher sind Wertschätzungs- und Rückmeldekultur unverzichtbare Haltungen, die wir benötigen, und wir müssen uns immer wieder gegenseitig daran erinnern, wenn wir Ehrenamt fördern wollen. Nur so kann das Amt in seiner Wechselwirkung als "Ehre" erlebt werden. Es ist mir eine Ehre, das zu tun, und es wird mir in Ehre zugetraut, dieses oder jenes zu tun. Und wenn es uns dann noch gelingt, die unterschiedlichen Kompetenzen, Gaben, hilfreichen Haltungen mit im Blick zu haben, die wir alle mitbringen, und genau gucken kön­nen, wo passt denn welche Gabe am besten hin, dann können wir eine großartige Gemeinde des Ehrenamts werden und sind gleichsam gut eingebunden in der Nachfolge Christi.

Das wünsche ich uns immer wieder zu berücksichtigen und zu erleben,
Ihr Mario Schatta

P.S.: An unserer Gemeinde gibt es viele Möglichkeiten, ehrenamtlich mitzuarbei­ten. Fragen Sie doch mal nach, was es zu tun gibt! Ihre Pfarrerin Nana Dorn