Das Thema

Luther und die Frauen

Die Reformation war eine Zeit des Umbruchs. Vieles, was für uns heute ganz selbstverständlich ist, war noch im Entstehen.
Darum ist auch das Thema „Luther und die Frauen“ voller scheinbarer Widersprüche.
Luther schätzte die kluge Adlige Katharina von Bora an seiner Seite, aber die Versorgung des großen Haushalts war ganz allein ihre Sache. Da lebte er noch ganz den damaligen Zeitgeist.
Die Reformation sorgte dafür, dass alle Frauen Zugang zur Bildung bekommen sollten.
Dass sie damit auch Aufgaben außerhalb der Familie wahrnehmen könnten. war noch unvorstellbar. Und wenn wir ehrlich sind, können wir diesen Unterschied zwischen Theorie und Praxis sogar noch heute beobachten. Der Vater auf dem Spielplatz ist eine ähnliche Ausnahme wie die Frau in der Führungsposition, heute, 500 Jahre später.
Für Luther bewährte sich das Christentum im Alltag, nicht hinter Klostermauern.
Die Bedeutung von Ehe und Kindererziehung wurde aufgewertet. Sie waren Orte, an denen sich das Christsein zeigen sollte. Damit gewann auch die Rolle der Hausfrau und Mutter an Bedeutung. Eine Folge: Das seit dem 11. Jahrhundert geforderte Priesterzölibat wurde abgeschafft. Bis heute ist es der Unterschied für Kirchenferne: Protestanten sind die, wo der Pfarrer verheiratet sein darf.
Das „Priestertum aller Getauften“ ist eine weitere Erkenntnis, die Martin Luther aus seinem Bibelstudium gezogen hatte. Jeder Getaufte kann Priester, Bischof oder Papst werden; also auch jede Frau. Sicher hat Luther soweit noch nicht gedacht, aber fast vierhundert Jahre später war es dann soweit: Nach und nach wurden in der Evangelischen Kirche Deutschland Frauen zum Priesteramt zugelassen, zuletzt 1991 in der Landeskirche Schaumburg Lippe.
Manchmal dauern Dinge eben, daran sollten wir auch denken, wenn wir mal wieder ungeduldig auf Veränderungen in unserer Kirche hoffen.

Bettina Cordes